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Pflanzenkunde

Ferula asafoetida: Porträt einer Pflanze aus den Trockengebieten Asiens

9 Min. Lesezeit
Ferula asafoetida: Porträt einer Pflanze aus den Trockengebieten Asiens

Eine Staude, die vier Jahre lang fast nichts tut und dann in einem einzigen Sommer zwei Meter hoch wird, blüht und stirbt. Ein Blick auf Ferula asafoetida: Botanik, Standort und die Herkunft ihres Namens.

Wer im Frühsommer durch die Hochebenen Irans oder Afghanistans fährt, sieht sie schon von weitem: mannshohe Stauden mit dicken, hohlen Stängeln, gekrönt von großen gelben Blütendolden, die im Gegenlicht zu leuchten scheinen. Zwischen trockenem Gras und Geröll wirken sie fehl am Platz: zu groß, zu üppig, zu grün für einen Boden, der den Rest des Jahres kaum etwas hergibt.

Es ist Ferula asafoetida, und ihre auffälligste Eigenschaft ist nicht das, wofür sie bekannt wurde, sondern wie sie lebt.

Ein Doldenblütler unter Doldenblütlern

Botanisch gehört Ferula zu den Doldenblütlern, den Apiaceae, jener Familie, aus der ein erstaunlicher Teil unseres Gemüse- und Gewürzregals stammt. Karotte, Fenchel, Sellerie, Kümmel, Dill, Petersilie, Liebstöckel und Pastinake sind allesamt nahe Verwandte. Wer die charakteristische Blütenform einmal kennt, erkennt die Familie überall: viele kleine Einzelblüten, die auf Strahlen gleicher Länge sitzen und zusammen einen flachen bis halbkugeligen Schirm bilden.

Die Gattung Ferula umfasst weit über hundert Arten, verbreitet vom Mittelmeerraum über Vorderasien bis nach Zentralasien und China. Viele von ihnen sind stattliche Pflanzen mit derben Stängeln. Der lateinische Gattungsname bedeutet schlicht „Rute" oder „Stab".

Ferula asafoetida ist keine Allerweltsart, sondern eine ausgesprochene Trockenpflanze. Sie stellt Ansprüche, die sich nicht so einfach nachbauen lassen, und genau das erklärt vieles an ihrer Geschichte.

Zwei Meter in einem einzigen Sommer

Die Pflanze lebt mehrere Jahre, blüht aber nur ein einziges Mal, und stirbt danach ab. Botaniker nennen das monokarp, einmalfrüchtend. Der bekannteste europäische Verwandte dieses Prinzips ist die Wilde Karde, im ganz Großen kennt man es von der Agave.

Vier bis fünf Jahre lang passiert oberirdisch wenig. Die Pflanze bildet eine Rosette großer, mehrfach gefiederter Blätter, graugrün und fein zerteilt wie überdimensionierter Fenchel. Alles, was sie an Energie sammelt, wandert nach unten in eine fleischige, rübenartige Pfahlwurzel, die im Lauf der Jahre armdick werden kann.

Dann, in einem einzigen Frühjahr, treibt sie aus. Innerhalb weniger Wochen schiebt sich ein hohler, fingerdicker bis faustdicker Stängel bis auf zwei Meter Höhe, manchmal darüber. Oben verzweigt er sich in mehrere große Dolden mit unzähligen kleinen, gelben bis gelbgrünen Blüten. Nach der Samenreife ist die Pflanze am Ende. Die gesamte Wurzelreserve steckt dann in dieser einen Blüte.

Wo sie wächst

Das natürliche Verbreitungsgebiet liegt in den Trockengebieten Irans und Afghanistans sowie in angrenzenden Regionen Zentralasiens. Typisch sind Höhenlagen mit steinigen, gut durchlässigen Böden, heißen Sommern und kalten Wintern: Steppe und Bergsteppe, nicht Wüste, aber auch nichts, was man üppig nennen würde.

Der Niederschlag fällt überwiegend im Winter und Frühjahr. Die Pflanze nutzt dieses kurze Zeitfenster: Sie treibt früh, wächst schnell und zieht sich zurück, bevor der Sommer den Boden vollständig austrocknet. Die tiefe Pfahlwurzel ist dabei kein Zufall, sondern Voraussetzung. Sie erschließt Wasser, an das flacher wurzelnde Pflanzen nicht herankommen.

Kultivierungsversuche außerhalb dieser Bedingungen gelten als schwierig. Die Art ist an ein bestimmtes Zusammenspiel aus Bodenart, Trockenheit und Winterkälte angepasst, und das lässt sich nicht ohne Weiteres verschieben.

Wurzel, Blätter und Milchsaft

Verletzt man die Wurzel oder den unteren Stängel, tritt ein milchiger Saft aus, der an der Luft eintrocknet und zu einer zähen, harzigen Masse erstarrt. Diese Masse ist das, was im Handel als Oleo-Gum-Harz bekannt ist, ein Gemisch aus ätherischem Öl, Harz und Pflanzengummi.

Gewonnen wird es kurz vor der Blüte, wenn die Konzentration am höchsten ist. Die Pflanze wird knapp über dem Boden gekappt, der austretende Saft trocknet an, die verhärtete Schicht wird abgekratzt und ein frischer Schnitt gesetzt. Über Wochen wiederholt sich das, bis die Wurzel erschöpft ist. Es ist langsame Handarbeit, und die Pflanze überlebt sie nicht.

Wichtig für das Verständnis: Wurzel, Blätter und Harz sind nicht dasselbe. Ein wässriger Auszug aus Wurzel und Blättern ist etwas anderes als das eingetrocknete Oleo-Gum-Harz: anderer Pflanzenteil, anderes Verfahren, andere Zusammensetzung. Wer über „Asafoetida" liest, sollte deshalb immer mitlesen, von welchem Teil der Pflanze die Rede ist.

Woher der Name kommt

Der Name ist ein Zwitter aus zwei Sprachen. „Asa" geht auf das persische azā für Harz oder Mastix zurück, „foetida" ist lateinisch und heißt schlicht stinkend. Verantwortlich für den Geruch sind schwefelhaltige Verbindungen, vor allem verschiedene Disulfide, chemisch nicht weit entfernt von dem, was Zwiebel und Knoblauch riechen lässt, obwohl Ferula botanisch nichts mit ihnen zu tun hat.

Das Deutsche war nie zimperlich: Teufelsdreck und Stinkasant stehen bis heute in den Wörterbüchern. In Indien, wo das Harz seit Jahrhunderten als Zutat in der Küche verwendet wird, heißt es Hing. In Europa verschwand es nach dem Mittelalter weitgehend aus dem Alltag und blieb nur noch als Fremdwort in botanischen und pharmazeutischen Verzeichnissen stehen.

Silphium, die verlorene Verwandte

Zur Kulturgeschichte der Gattung gehört ein Kapitel, das schlecht ausging. In der Antike war ein Doldenblütler namens Silphium von enormer Bedeutung, gewonnen in der Kyrenaika im heutigen Libyen. Die Stadt Kyrene prägte die Pflanze auf ihre Münzen, ein seltener Fall, in dem ein Gewächs zum Staatssymbol wurde.

Silphium wuchs offenbar nur in einem schmalen Küstenstreifen und ließ sich nicht kultivieren. Es wurde bis zum Verschwinden geerntet; Plinius der Ältere berichtet, der letzte gefundene Stängel sei Kaiser Nero überreicht worden. Welche Art genau dahintersteckte, ist bis heute ungeklärt. Die meisten Vermutungen laufen auf eine Ferula-Art hinaus.

Ferula asafoetida galt in der Antike als der geringere Ersatz und rückte an die frei gewordene Stelle. Dass eine Pflanze mit ähnlichem Standortanspruch und ähnlicher Nutzung vollständig verschwinden konnte, ist der Grund, warum die Geschichte bis heute erzählt wird.

Wissenschaftliche Literatur zur Pflanze

Nachfolgend finden Sie eine Auswahl wissenschaftlicher Studien und Reviews zur Pflanze Ferula asafoetida. Die aufgeführten Studien repräsentieren lediglich einen Teil der verfügbaren wissenschaftlichen Literatur.

Diese Zusammenstellung dient ausschließlich der Dokumentation des Publikationsstands. Sie gibt keine Ergebnisse wieder, bewertet die Arbeiten nicht und leitet aus ihnen keinerlei Aussagen ab.

  • Die Arbeiten beziehen sich auf die Pflanze Ferula asafoetida, nicht auf ein bestimmtes Erzeugnis.
  • Untersucht wurden unterschiedliche Pflanzenteile und Zubereitungen, überwiegend das Oleo-Gum-Harz.
  • Ein Teil der Literatur besteht aus Laborarbeiten an Zellkulturen; solche Untersuchungen erlauben keine Rückschlüsse auf den Menschen.
  • Bei den klinischen Arbeiten waren die Hersteller der jeweils geprüften Zubereitung an der Durchführung beteiligt.

Quellen